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In Gießen mitten unter uns leben Flüchtlinge aus ganz verschiedenen Ländern der Welt. Jeder von ihnen hat eine traurige Geschichte mit nach Deutschland gebracht. In der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) beginnt für sie ein sehr kompliziertes Asylverfahren, das ohne Hilfe kaum zu verstehen ist.
Die HEAE liegt im Gebiet der Petrusgemeinde. Seit langer Zeit engagieren sich Ehrenamtliche der Gemeinde in den Arbeitsbereichen: Flüchtlingsberatung, Deutschunterricht und in einem Flüchtlingscafé.
Besonders für das Café werden dringend neue, engagierte Ehrenamtliche gesucht. Wir informieren außerdem über weitere Möglichkeiten zur konkreten Unterstützung von Flüchtlingen.
Die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung
In dem einstigen Notaufnahmelager, das früher als Unterkunft für Übersiedler aus der ehemaligen DDR diente, sind seit April 1993 die HEAE und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) untergebracht. Seit der Schließung der HEAE in Schwalbach Ende 2003 ist die HEAE Gießen die einzige derartige Einrichtung für Flüchtlinge in Hessen.
Von nun an kommen alle Flüchtlinge, die in Hessen ein Asylverfahren durchlaufen, für einige Wochen in die HEAE im Meisenbornweg, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs. In dieser Zeit werden sie durch das BAMF zu ihren Asylgründen befragt. Sie müssen erklären, warum sie ihr Herkunftsland verlassen haben und welche Gefahr ihnen im Falle der Rückkehr drohen würde. Für das Asylverfahren ist allein das BAMF als Bundesbehörde zuständig.
Die HEAE als Landesbehörde regelt die Aufnahme, Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge. Daneben und unabhängig von den Behörden wirken die Ehrenamtlichen der Petrusgemeinde. Sie unterstützen die Flüchtlinge in ihren ersten Wochen in Deutschland.
Flüchtlingsberatung
In Räumen der HEAE wird von Haupt- und Ehrenamtlichen eine unabhängige Beratung zum Asylverfahren angeboten. Im Mittelpunkt steht die Vorbereitung auf die wichtige Anhörung vor dem BAMF. Auf Wunsch begleiten wir Flüchtlinge auch zu diesem Termin. Außerdem klären wir über gerichtlichen Rechtsschutz auf, vermitteln Rechtsanwälte, unterstützen die Flüchtlinge bei Kontakten mit Ämtern und Behörden. Wir recherchieren Informationen zu den Herkunftsländern der Flüchtlinge und arbeiten in Vernetzung mit anderen Flüchtlingsberatungsstellen.
Neueinsteiger sind jederzeit willkommen, sollten aber bereit sein, sich in die komplexe Materie des Flüchtlings- und Asylrechts einzuarbeiten.
Aber keine Angst: Wir helfen so gut es geht und man kann viel Interessantes lernen. Wir suchen auch immer Menschen mit guten Sprachkenntnissen, die ab und an auf ehrenamtlicher Basis und nach Absprache als Dolmetscher zur Verfügung stehen; besonders fehlen uns im Moment die Sprachen: chinesisch, russisch, kurdisch, tigrinia und urdu.
Deutschunterricht
Nicht hilflos rumstehen, sich im Alltag zurecht finden - das sind die Anliegen des Deutschunterrichts, der von Dienstags bis Donnerstags jeweils um 10 Uhr von derzeit 4 Ehrenamtlichen angeboten wird.
Es geht um Alltägliches wie Begrüßung und Verabschiedung, den Weg finden, die Uhrzeit erfragen, Zahlen lernen, Wochentage und Monate kennen oder wissen, wie der Zugfahrplan gelesen wird. Es ist eine erste Begegnung mit der deutschen Sprache und für viele auch mit den lateinischen Buchstaben.
Gerade in der Urlaubszeit in den Sommermonaten kommt es aber manchmal zu Engpässen. Wer sich vorstellen könnte, ab und an eine Unterrichtsstunde zu übernehmen, melde sich bitte. Es gibt kein Unterrichtskonzept, das von Stunde zu Stunde aufeinander aufbaut. Vielmehr ist jede Unterrichtsstunde als Einzelstunde konzipiert, daher ist ein Einstieg leicht möglich.
Die Flüchtlingscafé
Das Café in Räumen der HEAE soll Raum der Begegnung und des Austausches sein. Wir suchen neue Ehrenamtliche, die Lust haben, ihre Ideen in dieses Café einzubringen. Neu gestrichen in freundlichen Farben, wird nun ein Konzept erarbeitet, um gemeinsam mit den Flüchtlingen das Café kulturell zu gestalten und zu nutzen. Wir freuen uns auf jeden, der sich beteiligen möchte. Zur Zeit ist das Café Mittwochs von 18.30 bis 22 Uhr geöffnet.
Weitere Möglichkeiten zur Unterstützung:
- Gespräch mit Flüchtlingen, so werden "die" Flüchtlinge zu Menschen mit Gesicht und Namen
- Hilfestellungen, z. B. beim Einkauf, bei Behördengängen, beim Umgang mit Formularen, bei der Wohnungssuche, bei Bewerbungen...
- Hausaufgabenhilfe für Schulkinder
- Öffentlichkeitsarbeit, um die Situation der Flüchtlinge in Deutschland darzustellen und Vorurteilen argumentativ begegnen zu können
- Besuch von Gemeinschaftsunterkünften
- Gottesdienste/Veranstaltungen zum Themenkomplex "Flucht und Asyl"
- Informationsabende zur Situation in den Herkunftsländern mit Beteiligung der Flüchtlinge
- Feste organisieren u. v. a. m.
Achten Sie aber immer darauf, dass Flüchtlinge nicht zum "Objekt unserer Nächstenliebe" werden.
Wenden Sie sich an Janina Gieseking, Tel.: 0641 - 9 71 92 44,
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, wenn Sie an der ehrenamtlichen Mitarbeit in der Flüchtlingsberatung, im Deutschunterricht oder im Café interessiert sind. |